Wie wird die deutsche Sprache in fünfzig Jahren klingen? Wer schreibt die nächsten Kapitel der deutschen Sprachgeschichte: das Schulwesen mit seiner normativen Grammatik - oder das Leben in seinen alltäglichen Gesprächen? Und welche Rolle wird dabei insbesondere das Alltagsleben und die Alltagskommunikation von Millionen Einwandererdeutschen der dritten, vierten und fünften Generation spielen? Verfällt die deutsche Sprache? Oder wandelt sie sich nur gemäß der (multi-)kulturellen Realität dieses Landes?
Diesen und weiteren Fragen wird Timo Brunke jetzt in einem von der Stadt Stuttgart geförderten Literaturprojekt nachgehen und die Ergebnisse künstlerisch verarbeiten. Er ist sich sicher: Die Sprache verfällt nicht, sie verändert sich lediglich. Und er will − in bewusster Wertschätzung der Alltagskommunikation zwischen Einwanderern und Deutschstämmigen − kleine schöpferische Momente aufspüren, die ihn zu neuen, aber wiedererkennbaren „neuesthochdeutschen“ Tönen inspirieren. Dafür ist er zu Gast in verschiedenen Stuttgarter Sprachgemeinschaften, mit dem Ergebnis aus dem Gehörten eine neuesthochdeutsche Sprechfibel zu schreiben. Diese Fibel wiederum soll dann Ausgangspunkt für poetische Experimente werden.
Mit „Fjutscherdeutsch“ träumt Timo Brunke von einer multikulturellen Gesellschaft Deutschlands, deren gemeinsame Sprache Deutsch sein wird; ein Deutsch, das von allen seinen gegenwärtigen und zukünftigen Sprechern geprägt, befruchtet, fortentwickelt sein wird. Solch ein Zukunftsdeutsch soll ein
Stuttgarter Sprachexperiment sein, ein mit dem Klanggewand der zeitgenössischen Sprechdichtung angezogener Beitrag zur aktuellen (Leit-)Kulturdebatte; ein optimistisches, integratives, Bekenntnis zur (trans-)deutschen Sprache in multikultureller Zeit in der multikulturellen Stadt Stuttgart.
"Fjutscherdeutsch" wird am 13. Juni 2011 in der Akademie für gesprochenes Wort uraufgeführt.













