"Die schönste Form der Hingabe ist der TonFall."
 

TIMOTHEUS - Ein Pseudonym auf Zeit

Timo Brunke hat sich, um den Kurs seiner Vortragskunst zu unterstützen, ein „Pseudonym auf Zeit“ geschaffen: die akute innere Leitgestalt „Timotheus“.
 
Timotheus hat die Aufgabe, die Gestalten, Situationen und Geschichten eines Textes so präsent wie möglich zu machen: kraft Rhythmus, Stimmklang, Rhetorik und mit Hilfe innerer Vorstellungen.
 
Es ist die Idee eines quasi chemischen Prozesses, der ein Poem lang andauert: die Umwandlung von Vorstellungskaskaden auf Seiten des Sprechers in akustische Frequenzen und deren Umwandlung wiederum in Imagination auf Seiten des Publikums.
 
„Timotheus ist eine Hyperbewusstheit
ein entschiedener Daseinszustand
Ein Kokon für sprecherische Schmetterlingstransaktionen
ein Hochsitz für poetisch reale Phänomene
Ein Passwort für den Zutritt zu einem unzerstörbaren Gehörgarten
ein sublimer Fetisch
Ein kunstmagischer Talisman
eine Bitte um invasive Imagination
Ein Gesuch um Kallibrierung psychischer Energien
mit sprachlich geformten Schallwellen
Ein Blindflug durch die Wolke,
die den poetischen Augenblick vom Jetztzustand seines Darstellers trennte
Ein Präsenzmodus
vorbereitbar, aber nicht voraussetzbar
Ein Taubenschlag, ein Ein- und Ausfliegen luftigster Gegebenheiten
ein akustisch-imaginativer, flüchtig-poetischer Stein der Weisen
Der künstlerische Sprechakt in utopischer Lebendigkeit
der Anbruch der Poesiezeit für die Dauer genau dieses Poems
Eine Drehorgel,
deren Walze nur ein einziges Mal, nämlich genau jetzt, zum Einsatz kommt
Stofflich spürbare Erfindungswirklichkeit
eine vierdimensionale Sonnenuhr auf Vollmondbasis
Ein gänzlich aufgezogener Vorhang
das Wetter hinter dem Wetterleuchten
Eine Qualifikation von Zeit
ein Zeitqualifikationszertifikat
Die Übergabe eines künstlerischen Vorhabens an den Moment seiner Bestimmung.
die bestmögliche Aufführung dieses Poems.
Der Traum des Performancepoeten
von vollendeter Gegenwart." (Timo Brunke)
 
 
Die Textbox bietet für diese performerische Versuchsanordnung ideale Voraussetzungen.
Die räumliche Beschränkung, die Fokussierung auf wenige, aber aufnahmebereite Zuhörer, die Verkapselung des Dichters, die Kokonisierung seines Körpers und die zugleich enggeführte Vortragssituation, die Möglichkeit, im Schutzraum aus Plexiglas und Vekaplan innere Bilder entstehen zu lassen.
 
Und sollte Bas Böttchers Poesiemedium, die Textbox (was selten passiert) einmal ohne Publikum da stehen, so bietet sie der „Raumfähre Timotheus“ Gelegenheit für einen Probeflug.